August Endell

Collage: © Christoph Sauter, Mai 2021

Auch August Endell (1871–1925), der 1891 aus Berlin nach Tübingen gezogen war und hier zunächst Philosophie und Psychologie studierte, drängte es nur ein Jahr später in die berühmte Kunstmetropole München. Wie so viele andere wurde auch Endell hier zum Star.

Tatsächlich vollzog sich in seinen Münchner Jahren von 1892 bis 1901, in denen er sich in den Kreisen der künstlerischen Avantgarde und in den Kreisen der Frauenrechtlerinnen um Augspurg und Goudstikker bewegte, seine Wende zum Kunstgewerbe und zur Architektur. Seit 1896 stand er unter dem Einfluss und in engen künstlerischen Austausch mit dem seit 1894 mit der Münchner Bewegung verbundenem Bildhauer und Künstler Hermann Obrist. 1896 verfasste Endell die programmatische, kunsttheoretische Schrift Um die Schönheit, die Einfluss auf die Geburt des deutschen Jugendstils in München hatte. 1897 wurde Endell Mitglied in der Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau, in der auch Obrist bereits an vorderster Front engagiert war.




Von Augspurg und Goudstikker erhielt er 1897 den Auftrag, das Elvira neu zu gestalten. Die meergrüne Fassade mit dem markanten Jugendstilornament und der ungewöhnlichen Innenausstattung waren damals die Sensation und der Skandal in München – und brachte dem Fotostudio zusätzliche Publicity ein. Das ungewöhnliche Ornament, das Endell in engem Austausch mit den Besitzerinnen entwarf, sollte auch ein Symbol für die Münchner Frauenbewegung sein. Heute gilt das von ihm gestaltete Atelier, insbesondere seine Fassade, als eines der bedeutendsten Dokumente des Jugendstils und er selbst als einer der weltweit bedeutenden Jugendstilkünstler. 1901 siedelte er wieder nach Berlin über und erhielt eine Reihe von Bauaufträgen, darunter einen für das Bunte Theater von Ernst von Wolzogen, den er aus seiner Münchner Zeit kannte. 1908 verfasste er Die Schönheit der großen Stadt. 1918 wurde er dann Direktor an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau.

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Autorin: © Ingvild Richardsen
Aus:
Frei und gleich und würdig – Die Frauenbewegung und der Erste Bayerische Frauentag 1899, Dr. Ingvild Richarden, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2019.

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