Emma Merk

Collage: © Christoph Sauter, Mai 2021

Emma Merk (1854–1925) stammte aus einer alten Münchner Bürger- und Künstlerfamilie. Sie, die sich mit ihrem Vater dem Landschaftsmaler Eduard Merk und der vielköpfigen Familie schon als Kind in der Haushofer‘schen Künstlerkolonie auf der Fraueninsel aufhielt, war die Jugendliebe des 14 Jahre älteren Dichters Max Haushofer. Später wurde Merk seine zweite Frau und damit auch zur Stiefmutter von Marie Haushofer. Merk war eine erfolgreiche Münchner Autorin ihrer Zeit. Sie veröffentlichte viele Romane und Novellen und schrieb auch für bekannte Zeitschriften wie Jugend und Simplicissimus. Sie galt als größte Kennerin Alt-Münchens und hatte auch den Ruf, dass sie den „Münchner Roman“ von allen Frauen am besten schreiben konnte.

Doch auch als Verfasserin psychologischer Novellen machte sie sich einen großen Namen. Sie schrieb über die Beziehung zwischen Mann und Frau und über die Rolle und das „Recht“ der Frau. Seit 1894 begann sie eine führende Rolle in der bürgerlichen Frauenbewegung Bayerns zu spielen. Sie gehörte zu den Mitbegründerinnen des Vereins Gesellschaft zur Förderung der geistigen Interessen der Frau (1894). Zusammen mit der Schriftstellerin Carry Brachvogel gründete sie 1913 den ersten Schriftstellerinnenverein Bayerns. Dieser Verein, dem bedeutende Persönlichkeiten beitraten, z.B. Ricarda Huch, Annette Kolb, Helene Böhlau, Isolde Kurz und viele andere, kämpfte damals schon für Werte, die heute noch hochaktuell sind. Er forderte gleiche Entlohnung von Männern und Frauen und verbot seinen Mitgliedern, ohne Bezahlung zu arbeiten und ihre Werke unter Wert zu verkaufen.




Genau wie Augspurg und Goudstikker lebte auch Emma Merk anders als die typisch bürgerliche Frau ihrer Zeit. Zwar trug sie weder kurze Haare oder Männerkleidung, aber auch sie hatte einen Beruf und arbeitete schon seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr als Schriftstellerin. Kinder hatte sie keine, dafür aber schon mehrere Affären und Beziehungen hinter sich. Seit 1886 war sie mit dem 14 Jahre älteren Max Haushofer, Witwer und Vater dreier Kinder, liiert, den sie bereits seit ihrer Kindheit gut kannte. Mit dem Sozialdemokraten Georg von Vollmar (1850–1922) und seiner Frau verband sie eine lebenslange Freundschaft. Den damals vier Jahre älteren späteren Politiker und Vorsitzenden der bayerischen SPD hatte sie bereits als 20-Jährige in der Künstlerkolonie im Gasthof Zur Linde auf der Fraueninsel kennengelernt, wo beide sich wohl näher gekommen waren. Vollmar hatte sie danach über Monate mit politischen und philosophischen Schriften überhäuft und versucht, die junge Merk für den demokratischen Sozialismus zu gewinnen, wie überlieferte Briefe in seinem Nachlass belegen. Die SPD stellte sich später in Bayern als einzige Partei unter der Führung von Vollmars geschlossen hinter die Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung. Er arbeitete in den 1890er Jahren eng mit den in München engagierten Frauen zusammen und setzte sich auch als Landtags- und Reichstagsabgeordneter für ihre Belange ein, wie alle überlieferten Unterlagen zu diesem Thema zeigen.

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Autorin: © Ingvild Richardsen
Aus:
Frei und gleich und würdig – Die Frauenbewegung und der Erste Bayerische Frauentag 1899, Dr. Ingvild Richarden, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2019.

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