Ika Freudenberg

Collage: © Christoph Sauter, Mai 2021

Ika Freudenberg (1858 – 1912), die bereits 1894 am Gründungsabend der Gesellschaft für geistige Interessen der Frau in München im Mai teilnahm, war erst im April 1894 von Wiesbaden nach München gezogen. Am 25. März 1858 als fünftes Kind des wohlhabenden Johann Philipp Freudenberg und seiner Frau Caroline in Wiesbaden geboren, war sie hier als Pianistin ausgebildet worden. Auch sie hatte das Leben einer Tochter aus guter Familie hinter sich. 1892, auf einer Generalversammlung des Weimarer Vereins Frauenbildungsreform in Wiesbaden, war sie in Berührung mit der Emanzipationsbewegung gekommen, hatte hier auch die Bekanntschaft mit Anita Augspurg und Sophia Goudstikker gemacht. Finanziell unabhängig und durch keinerlei Familienpflichten gebunden, hatte die 36-Jährige nach dem Tod ihrer Mutter Anfang 1894 den Entschluss gefasst, nach München zu ziehen um sich hier an vorderster Front in der Frauenbewegung zu engagieren. 1896 übernahm sie von Augspurg den Vorsitz über die Gesellschaft für geistige Interessen der Frau. Auf deren Anregung hin trat der Münchner Verein unter Freudenberg noch 1896 dem BDF bei. Sie trat auch in anderer Hinsicht in die Fußstapfen von Augspurg. 1899 wurde sie zur neuen Lebenspartnerin von Sophia Goudstikker.




Freudenberg wurde zu einer zentralen Persönlichkeit der bayerischen Frauenbewegung vor dem Ersten Weltkrieg. 1909 war sie Gründungsmitglied und Vorsitzende des Hauptverbandes Bayerischer Frauenvereine. Sie rief auch den Verein Münchner Kellnerinnen ins Leben, engagierte sich im Münchner Zweigverein der Internationalen Abolitionistischen Förderation sowie im Verein zur Verbesserung der Arbeiterwohnungen und wurde in den Vorstand des Nationalsozialen Vereins von Friedrich Naumann gewählt. Sie schrieb zahlreiche Aufsätze zu aktuellen Frauenfragen in Organen wie Die Frau, Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine und auch im Fortschritt (der Liberalen). Bald verfasste sie bedeutende kulturpolitische und emanzipatorische Schriften, 1903 Ein Wort an die weibliche Jugend, 1905 Weshalb wendet sich die Frauenbewegung an die Jugend, 1908 Die Frau im öffentlichen Leben, 1910 Was die Frauenbewegung erreicht hat. 1911 veröffentlichte sie ihr letztes großes und zusammenfassendes Werk: Die Frau und die Kultur des öffentlichen Lebens.

> Artikel von Ingvild Richardsen im Literaturportal Bayern

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Autorin: © Ingvild Richardsen
Sekundärliteratur:
Bäumer, Gertrud (1912): Ika Freudenberg. Ein Gedenkblatt. Separatabdruck aus der Monatsschrift Die Frau, H. 5., 19. Jg., Berlin, W. Moeser.Haushofer, Marie (1912): Der Führerin. In: Frauenstreben. 9. Jg., Nr. 4, 17. Februar, S. 23.Haushofer, Martha (1912): Ika Freudenberg. In: Centralblatt des Bundes Deutscher Frauenvereine XIII. Jg., Nr. 21, S. 163.Lindemann, Renate (1994): 100 Jahre Verein für Fraueninteressen, S. 3 u. S. 97.Verein für Fraueninteressen (Hg.) (1913): 18. /19. Jahresbericht 1913, S.2

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