Das Atelier Elvira und der Jugendstil

Collage: © Christoph Sauter, Mai 2021

Kräftige Farben, neue Formen, schwingende Linien, florale Ornamente – der Zauber des Jugendstils war lange aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. „Jugend heißen sie jeden Topf, auf dem eine schauerlich stilisierte Lilie, oder ein Frauenzimmer mit verrückter Friseur, oder eine Orchidee abgebildet ist. […] Jugendstil heißen die Stühle, auf denen man nicht sitzen, Schränke, in die man nichts hineintun, Gläser aus denen man nicht trinken, Löffel mit denen man nicht essen kann! Es ist um aus der Haut zu fahren.“, so hat der Münchner Dichter Hans von Gumppenberg die neue Münchner Kunstbewegung 1901 beschrieben.
Unter Jugendstil versteht man heute die deutsche Variante einer Bewegung, die in England Arts and Crafts und in Frankreich L ́Art Nouveau heißt. Diese kurze Stilepoche, die kaum ein Vierteljahrhundert gedauert hat, entstand in Deutschland Mitte der 1890er Jahre in München. Sie steht für ein Leben in Schönheit, dem in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende in München exzessiv gehuldigt wurde.

Seinen Namen erhielt der Jugendstil um 1900. Zur Namensgeberin dieser kunstgewerblichen und lite rarischen Stilrichtung wurde die Zeitschrift Jugend, die 1896 in München entstand und zu einer der bedeutendsten deutschen Organe für die Kunst und Literatur der Jahrhundertwende wurde.

Führende Persönlichkeiten waren Hermann Obrist und August Endell. 1896 entstanden zwei Werke, die wegweisend waren: der sogenannte Peitschenhieb von Hermann Obrist und Endells Schrift Um die SchönheitWenig bekannt ist, dass der Münchner Jugendstil auch in allerengstem Austausch mit Münchens Frauenrechtlerinnen, vor allem mit Sophia Goudstikker und Anita Augspurg und dem Atelier Elvira, geboren wurde.

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Autorin: © Ingvild Richardsen

Aus:
Frei und gleich und würdig – Die Frauenbewegung und der Erste Bayerische Frauentag 1899, Dr. Ingvild Richarden, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, 2019.

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