Marie Haushofer

Collage: © Christoph Sauter, Mai 2021

Marie Haushofer (1871–1940) war eine Münchener Malerin und Dichterin. Seit 1899 verfasste sie Festspiele, die in München, Nürnberg und Bayreuth aufgeführt wurden, veröffentlichte aber auch Gedichte. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Malerin und Kopistin. Seit 1894 engagierte sie sich in der bürgerlichen Frauenbewegung Bayerns, wurde Mitglied in dem 1894 gegründeten Verein Münchener Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau. Marie Haushofer wurde 1871 in München als Tochter von Max Haushofer geboren, der als Professor für Nationalökonomie und Statistik an der Technischen Hochschule München lehrte und um 1900 ein bekannter Münchener Schriftsteller war. Ihr Großvater war der bekannte Landschaftsmaler Maximilian Haushofer (1811–1866), Gründer der Künstlerkolonie auf Frauenchiemsee. Maries Mutter, Adelheid Fraas, war die Tochter von Karl Fraas (1810–1875), Professor für Agrarwissenschaft. Marie war auch die Schwester des späteren Generals und Geopolitikers Karl Haushofer (1869–1946) und des nachmaligen Chiemsee-Malers Alfred Haushofer (1872–1943). Mit ihren Brüdern wuchs sie bei dem Vater und den Großeltern auf, da ihre Mutter bereits 1872 verstorben war. Von frühester Kindheit an verkehrte sie in Münchener Gelehrten-, Künstler- und Schriftstellerkreisen. Besonders aus ihren jüngeren Jahren sind viele Landschaftsbilder und Porträts überliefert. Später lag ihr Schwerpunkt im Kopieren alter Meister aus der Alten Pinakothek. 1897 widmete die Münchener Schriftstellerin Carry Brachvogel der 26-jährigen Marie ihr zweites Buch Der Erntetag und Anderes, das im S. Fischer Verlag in Berlin erschien. Baron Ernst von Wolzogen zufolge war Max Haushofer mit seiner „begabten“ Tochter seit 1895 ständiger Gast im Salon Carry Brachvogels am Siegestor, in dem u.a. auch Rainer Maria Rilke verkehrte.




Als 1899 in München der erste „Bayerische Frauentag“ stattfand, schrieb Marie Haushofer eigens ein Festspiel: Zwölf Culturbilder aus dem Leben der Frau. Dieses rief große Anerkennung in der Tagespresse hervor. 1900 wurde es auch in Nürnberg aufgeführt, am 28. und 30. November 1902 sogar in der Oper in Bayreuth, wo es einen triumphalen Erfolg erlebte. 1910 schrieb sie das Stück Frau Holle, das auf dem Münchener Jugendtag am 29. Mai 1910 zur Aufführung gelangte. Im Münchener Künstlerhaus wurden auf der Gedenkfeier für Ika Freudenberg, am 31. Januar 1912 Marie Haushofers Verse Die Führerin vorgetragen. 1914 verfasste sie dann ein Festspiel zur Feier des 20-jährigen Bestehens des Vereins für Fraueninteressen, das am 4. Mai 1914 im Künstlerinnenhaus in der Barerstraße 21 aufgeführt wurde. Seit 1919 wohnte Marie Haushofer in der Liebigstraße 17 in einem Gartenhaus mit Atelierswohnung. Aufzeichnungen ihres Neffen Heinz Haushofers zufolge partizipierte an ihrem „genialischen Haushalt“ ihr langjähriger Freund, der Münchener Pianist und Professor Wolfgang Ruoff (1882–1964). Weil sie vermutete, schwer krank zu sein, und auch aus Angst, ihren Geschwistern finanziell zur Last zu fallen, entschied sie sich 1940 für den Freitod in der Isar. Das Grab von Marie Haushofer befindet sich auf dem Friedhof der Fraueninsel.

> Artikel von Ingvild Richardsen im Literaturportal Bayern

Zu Marie Haushofer erschien der Film:
Die Vergessenen. Emma Haushofer-Merk, Marie Haushofer, Max Haushofer.
Film-Dokumentation von Martin Otter und Ingvild Richardsen. Erstausstrahlung: Bayerisches Fernsehen (BR), 25.3.2016

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Autorin: © Ingvild Richardsen
Sekundärliteratur:
Die Führerin (1912). In: Frauenstreben 9, Nr. 4, 17. Februar, S. 23.
Feministisches Informations-, Bildung- und Dokumentationszentrum e.V. Nürnberg (1990): „Verlaßt Euch nicht auf die Hülfe der deutschen Männer!“ Stationen der bürgerlichen und proletarischen Frauenbewegung in Nürnberg. Nürnberg, S. 55 und Anm.
Festabend im Katholischen Kasino (1899). In: Münchener Neueste Nachrichten 52, Nr. 491, 24. Oktober.
Haushofer, Heinz (1965): Stammbuch für Andrea Schröder geb. Haushofer. Weihnachten 1965. Von ihrem Vater.
Mitteilungen aus der bayerischen Frauenbewegung 1 (1902), Nr. 4., 15. Dezember, S. 4.
Verein für Fraueninteressen München e.V. (1900) (Hg.): 6. Jahresbericht. München, S. 6.
Verein für Fraueninteressen München e.V. (1911) (Hg.): 17. Jahresbericht. München, S. 13.
Verein für Fraueninteressen München e.V. (1913) (Hg.): 18./19. Jahresbericht. München, S. 2.
Verein für Fraueninteressen München e.V. (1915) (Hg.): 21./22. Jahresbericht. München, S. 6.
Watanabe-O’Kelly, Helen (2010): Transgressivität oder Konformität? Die Figur der Kriegerin in Festspielen der deutschen und englischen Frauenbewegung um 1900. In: Remmert, Heiner; Risi, Clemens; Sollich, Robert u.a. (Hg.): Theater als Fest, Fest als Theater. Bayreuth und die moderne Festspielidee. Bayreuth/Leipzig, S. 60-77 und S. 313.

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